Rund 45.000 Tonnen chemischer Pflanzenschutzmittel werden in Deutschland jedes Jahr eingesetzt – mit Auswirkungen weit über störende Pflanzen hinaus. Was wäre,wenn Licht die Chemie ersetzte? Über eine Vision, die fast einsatzfähig ist.Während die Landmaschine langsam übers Feld fährt, nimmt die darauf montierte Kamera das noch junge, unter ihr vorbeiziehende Grünzeug auf. Die angeschlossene Bildverarbeitung erkennt, welche der P$anzen Rübenp$anzen sind – und welche nicht. Ein Algorithmus berechnet den optimalen Angri%spunkt auf jeder Nicht-Rübenp$anze und veranlasst den Laser, einen kurzen Infrarot-Puls an genau diese Stelle zu schicken. Die so getro%ene P$anze – die einen nennen sie Unkraut, die anderen Wildkraut – wird durch diesen Lasertre%er nicht verbrannt oder verkohlt, sondern lediglich in ihrem Wachstum gehemmt. So stark, dass sie der Entwicklung der Nutzp$anzen um sie herum nicht mehr schaden kann. Dieses Szenario könnte, sagen die beteiligten Wissenscha‘- ler, bei guten Rahmenbedingungen bereits in etwa zehn Jahren Realität sein. Einfachere Anwendungen, etwa gegen Bewuchs auf Gleisen oder beim Einsatz in Gewächshäusern, wären eher zu haben. Einer der Wissenscha’ler ist Christian Marx. Er hat nachgewiesen, dass die Idee umsetzbar ist. Anfang 2016 hat er seine letzten Wochen als Postdoc in Schweden vor sich, an der Chalmers Universität. Mitte des Jahres – das ist der Plan –, wird er mit seiner Familie nach Hannover zurückkehren. Zurück auch zu seiner Dissertation mit dem Titel „Untersuchungen zum Einsatz von Lasertechnologie in der P$anzenproduktion“. Marx formuliert das Ziel so: „Die Vision ist, dass wir von der Chemie wegkommen, weg von den Rückständen auf dem Acker, und stattdessen eine thermische Lösung (nden – eine mit Ökostrom betriebene Unkrautvernichtung statt der chemischen Keule“.Marx, diplomierter Maschinenbau-Ingenieur und Bachelor der Gartenbauwissenscha’en, verbindet mit dieser Promotion zum Dr. rer. hort. zwei Welten: Gartenbau und Lasertechnik. Sein Doktorvater ist *omas Rath, bis 2013 Professor der Gartenbauwissenscha’en an der Leibniz Universität, sein Zweitprüfer Ludger Overmeyer, Professor und Leiter des Instituts für Transport- und Automatisierungstechnik am PZH und Geschä’sführer des Laser Zentrums Hannover. Marx‘ Dissertation, 2014 verö%entlicht, belegt die Machbarkeit, unerwünschte P$anzen mithilfe von Laserpulsen im Infrarot- Bereich so im Wachstum zu stören, dass sie der Nutzp$anze nicht mehr schaden können. Sie hat Marx den Nachwuchspreis des Fraunhofer-Innovationsclusters „Green Photonics“ eingebracht. In welchem Rahmen die Forschung weiter gedeihen kann, ist noch nicht endgültig geklärt. Professor Ludger Overmeyer hält das *ema für enorm wichtig – auch für die Wissenscha‘ und für den in Hannover starken Forschungsschwerpunkt Optik. Auch Stefan Kaierle, der im Laser Zentrum die Abteilung „Werksto%- und Prozesstechnik“ leitet und damit für das Projekt zuständig ist, setzt große Ho%nungen in das *ema.Wieviel Arbeit und Know-how schon jetzt im laserbasierten P$anzenschutz steckt, weiß Christan Marx. Die Idee entstand Anfang der Nuller Jahre im Gartenbauinstitut der Leibniz Universität. Zu jener Zeit hatte Marx parallel zum Diplom-Hauptstudium Maschinenbau sein Bachelorstudium Gartenbau begonnen, weil es sein eigentliches Interesse war, „etwas mit Landmaschinen“ zu machen. Dann geriet er in die Überlegungen von Professor Rath, der mit neuen Methoden versuchen wollte, den Herbizid-Einsatz in der Landwirtscha‘ zu reduzieren. Die größten Probleme – schon allein bei der Kartierung der P$anzen – hätten am Anfang darin bestanden, dass die Kameras nicht in der Lage waren, dreidimensional zu sehen und zwei sich zum Teil überdeckende P$anzen nicht unterscheiden konnten. Ein neuer IT-Spezialist im Team